| Stärkung der Körperabwehr durch Vitamin E | ||||||||||||||||
| Erhöhte Vitamin E-Gaben können den Gesundheitsstatus im Schweinestall stabilisieren. Das haben Fütterungsversuche in den beiden letzten Wintern gezeigt. Tierarzt Henning Bossow, Hoya, berichtet aus der Praxis. | ||||||||||||||||
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In der kalten Jahreszeit haben Krankheitserreger generell leichteres Spiel als in den wärmeren Sommermonaten. Doch in den letzten beiden Wintern kam noch etwas anderes erschwerend hinzu. Denn der Gesundheitszustand der Schweine war deutlich schlechter, als zu erwarten war - zumindest im niedersächsischen Raum. Viele altbekannte Erkrankungen traten häufiger als gewohnt auf und waren schwieriger als früher zu behandeln. Auch gab es verstärkt Verluste durch Todesfälle. Saugferkel verendeten nach Eiseninjektionen, Mastschweine erlagen im Endmastbereich oder auf dem Weg zum Schlachthof einem plötzlichen Herztod.
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| Hundesitzigkeit, trüber Gesichtsausdruck und leicht hervorstehende Augen können Hinweis auf einen Vitamin E-Mangel sein. | ||||||||||||||||
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Es traten außerdem verstärkt Durchfallerkrankungen bei Saugferkeln, Hirnhautentzündungen, Schnupfen, feuchter Husten, langwierige Lungenentzündungen, Lahmheiten, Lähmungen, Magengeschwüre und Eperythrozoonose auf. Hinzu kam, daß diese und andere Erkrankungen auch in Lebensphasen zu beobachten waren, in denen sie bisher keine bedrohliche Rolle spielten. Beispiel: Die Dysenterie bei Absetzferkeln oder Coli-Durchfälle bei Mastschweinen kurz vor der Schlachtreife.
Es traten außerdem verstärkt Durchfallerkrankungen bei Saugferkeln, Hirnhautentzündungen, Schnupfen, feuchter Husten, langwierige Lungenentzündungen, Lahmheiten, Lähmungen, Magengeschwüre und Eperythrozoonose auf. Hinzu kam, daß diese und andere Erkrankungen auch in Lebensphasen zu beobachten waren, in denen sie bisher keine bedrohliche Rolle spielten. Beispiel: Die Dysenterie bei Absetzferkeln oder Coli-Durchfälle bei Mastschweinen kurz vor der Schlachtreife. |
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| Dieser Kümmerling vereinigt gleich mehrere Symptome: Blaßgelbe Haut, spitzer Rücken, unsicherer Gang und Durchfall |
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Plötzliche Aggressivität Gelegentlich zeigten Schweine auch ein ungewöhnliches Verhalten. Ohne erkennbare Ursache fraßen sie weniger. Oder sie verhielten sich unruhig und aggressiv gegenüber Personen und Buchtengenossen. Sie vertrieben sich die Zeit mit Flankenbohren, Schwanzbeißen oder dem Scheuern an der Stalleinrichtung. "Der Spätabort schlägt wieder richtig zu", "Die Hybridrassen werden zusehends empfindlicher" oder "Der verantwortungslose Antibiotika-Einsatz durch Tierärzte und Landwirte rächt sich durch Resistenzbildungen", wurde sofort gemutmaßt. Diese Erklärungen mögen zwar in Einzelfällen zutreffen, sie können jedoch nicht als alleinige Ursache für die zunehmenden Probleme verantwortliche gemacht werden. Bei genauerer Betrachtung fielen bei den erkrankten Tieren äußerlich folgende Symptome auf: |
Vitamin E - nur für die Fruchtbarkeit zuständig?
Das Vitamin E wurde vor etwa 70 Jahren zum ersten Mal beschrieben und lange Jahre als das Fruchtbarkeitsvitamin bezeichnet. Denn ohne ausreichende Versorgung mit Vitamin E können keine Spermien produziert bzw. kann keine Trächtigkeit aufrechterhalten werden. Aber nicht nur das Fortpflanzungsgeschehen, sondern auch andere Körpersysteme benötigen Vitamin E. Hierzugehören das Muskel-, Nerven-, Gefäß-, Immunsystem und das Blut mit seinen weißen und roten Blutkörperchen. |
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Die Haut war blaß bzw. gelb gefärbt, das Haarkleid struppig. Häufig traten die Augen aus der Augenhöhle hervor, so daß der Vollkreis der Pupille sichtbar wurde. Außerdem hatten einige Tiere einen unsicheren Gang. Im fortgeschrittenen Stadium litten sie an Hundesitzigkeit.
Die Körpertemperatur der kranken Tiere betrug im Schnitt 40,5 °C, im Einzelfall wurden Werte zwischen 40 und 41 °C gemessen. außerdem war die Atmung verstärkt, die Tiere "pumpten". Wenn es zu Verlusten kam, verendeten die mittleren Tiere, selten die Vorläufer oder Kümmerer. Zeitweiliger Vitamin E-Mangel Bei Lichte betrachtet, deuten die Symptome auf einen Vitamin E-Mangel hin. Zwar ergaben Untersuchungen von Futtermittelproben bzw. Blut und Organen erkrankter Tiere, daß die Vitamin E-Gehalte den gültigen Bedarfsnormen entsprachen. Tatsache ist jedoch, daß sich die Erkrankungen in vielen Fällen durch eine Erhöhung der Vitamin E-Versorgung abschwächen oder doch zumindest vorbeugend verhindern ließen. Eine mögliche Erklärung ist, daß der Vitamin E-Bedarf eines Schweines in Streßsituationen und bei Erkrankungen deutlich ansteigt. Dadurch erleidet das Tier dann einen zeitweisen Vitamin E-Mangel, obwohl die Versorgung den Bedarfsnormen entspricht. Die Unterversorgung mit Vitamin E führt zu einer Entzündung und Zerstörung von Muskelfasern. Das kann zu bleibenden Einschränkungen der Herzleistung führen. Die Folge davon ist eine Kreislaufschwäche, die zur Wasseransammlung in den Lungen mit feuchtem Husten bzw. Nasenausfluß führen kann. Die Tiere sind zudem streßanfälliger. Das erklärt auch die plötzlichen Todesfälle. Der unsichere Gang der Tiere ist darauf zurückzuführen, daß auch die Skelettmuskulatur in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird. Dadurch wird sogar die Fleischqualität des Schlachtkörpers negativ beeinflußt: Die Lagerfähigkeit des Fleisches ist herabgesetzt, die Farbe blasser und bei Gefrierlagerung ergeben sich höhere Trocknungsverluste. Mehr Vitamin E, weniger Erkrankungen Am schwersten wiegt jedoch die durch Vitamin E-Mangel bedingte Funktionseinschränkung des Immunsystems. Denn dadurch kommt es gehäuft zum Aufflammen von infektiösen Erkrankungen. Eine antibiotische Behandlung allein bringt hier nicht immer den gewünschten dauerhaften Genesungserfolg. Parallel dazu sollte deshalb bei den beschriebenen Krankheitsanzeichen zusätzlich die Vitamin E-Versorgung erhöht werden. Beschränken sich die beobachteten Symptome auf das Fehlverhalten der Tiere, die blaßgelbe Haut oder hervorstehende Augäpfel, haben die Tiere gute Chancen, wieder zu gesunden. Haben sich jedoch bereits Schäden an der Herzmuskulatur oder an Leber und Nieren eingestellt, kann die volle Leistungsfähigkeit meist nicht wieder hergestellt werden. Diese Tiere bleiben ihr Leben lang streßanfällig und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Bei akuten Erkrankungsfallen ist eine Einzeltierbehandlung mit einem geeigneten Injektionpräparat von Vitamin E plus Selen nach Anweisung des Haustierarztes notwendig. Selbstverständlich müssen mögliche Begleitinfektionen zusätzlich behandelt werden. Bei Bestandserkrankungen setzt man am besten Fütterungsantibiotika ein, nachdem eine Resistenzbestimmung der beteiligten Krankheitserreger durchgeführt wurde. Parallel zur Injektionsbehandlung der akut erkrankten Tiere wird der Vitamin E-Gehalt im Alleinfutter für die gesamte Gruppe angehoben. Um Rückschschlägen vorzubeugen, empfiehlt es sich, Mastschweine vom Einstallen bis zum letzten Masttag mit einheitlich 120 mg Vitamin E Selen in Maßen! Um seine volle Wirksamkeit entfalten zu können, benötigt Vitamin E zumindest bei einigen seiner Aufgaben zusätzlich Selen. Chemisch gesehen ist Selen ein Halbmetall, dessen Aufnahme bereits in geringen Mengen hochgiftig sein kann, da es Enzyme in ihrer Wirksamkeit blockiert. In Spuren ist Selen für das Schwein jedoch von lebenswichtiger Bedeutung. |
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Das Futtermittelrecht begrenzt den Selen-Gehalt auf 0,5 mg/kg Futtermittel. Das entspricht nur einem halben Gramm Selen pro Tonne Futter! Nach unseren derzeitigen Erfahrungen reicht ein Selen-Gehalt von 0,4 mg pro kg Futtermittel für Schweine aus. Da Schweinefleisch ein wichtiger Selen-Lieferant in der menschlichen Ernährung ist, sollte sein Gehalt an Selen aber auch nicht unnötig reduziert werden. Wird ein Futter mit übermäßigem Selen-Gehalt verfüttert, zeigen sich schon nach zehn bis vierzehn Tagen erste Vergiftungserscheinungen, die stark an die Symptome des Vitamin E-Mangels erinnern. Nach 14tägiger Verabreichung eines Futters mit 0,8 mg Selen/kg Futter beobachteten wir Appetitmangel, einen schwankenden Gang und Haarverlust. Bei längerer Fütterung mit zu hoher Selenversorgung kommt es zu Leber- und |
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| Das Schwein scheint ängstlich zu starren. Der dunkle Vollkreis der Pupille ist sichtbar.
Fotos: Bossow |
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Nierenschaden, bei Zuchttieren zu Reproduktionsstörungen. Deutliche Hinweise auf eine Selen-Vergiftung geben Hauterkrankungen am oberen Rand der Klauen. Gelegentlich verlieren die Schweine sogar den Klauenschuh. top agrar berichtete in der Ausgabe 10/95 darüber. Fazit |
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| Aus top agrar 5/96 | ||||||||||||||||