Erst duschen, dann eintreten
Hygieneschleuse sinnvoll gestalten

Hupe

Denken Sie nicht erst wieder an die Hygiene, wenn irgendwo die Schweinepest wütet. Eine Hygieneschleuse hilft Ihren Bestand zu schützen. Aber wie gestalten und einrichten? Tierarzt Henning Bossow, Hoya, gibt Tips.

Saubere, betriebseigene Kleidung gehört heute zum Standard im Schweinestall. Ob nun ein Mitarbeiter oder ein Besucher den Stall betritt, er sollte dies nur in betriebseigener Kleidung tun. Ein sauberer Raum zum

Umkleiden erleichtert die Umkleideprozedur. Gebrauchte Schutzkleidung, einschließlich Gummistiefel, gehört nach jedem Besuch gereinigt, damit sie für den nächsten wieder verfügbar ist. Den gewaschenen, trockenen Overall staubfrei, am besten in einer Plastiktüte, aufbewahren. Halten Sie immer zwei Größen (für kräftige Damen und zierliche Herren) vorrätig. Ein hygienisch von der Außenwelt abgeschlossener Betrieb, zum Beispiel ein Vermehrungsbetrieb, ist nur zu betreiben, wenn eine einfache, angenehme und sichere Möglichkeit des Umkleidens und Duschens für Mitarbeiter und Gäste geschaffen wird.

Klare Trennung zwischen Stall- und Außenbereich

Die Hygieneschleuse auf dem Betrieb Georg Greß, Jungsauenvermehrer, ist beispielhaft (siehe Zeichnung "Grundriß Hygieneschleuse"): Die Eingangstür aus dem Freien führt in einen Vorraum, in dem die Besucher und Mitarbeiter Jacken, Mantel und Schuhwerk ablegen. Dafür sollte der Betriebsleiter geeignete Aufhängevorrichtungen vorhalten. Preiswerte Badelatschen sollten in verschiedenen Größen vorrätig sein. Im Vorraum liegt auch die Besucherliste aus, die über die einzuhaltenden hygienischen Maßnahmen informiert und von jedem Besucher unterschrieben werden muß. Vom Vorraum aus betritt der Besucher über eine Tür den eigentlichen Umkleideraum. Da sich der Besucher hier komplett entkleidet, sollte die Tür verriegelbar sein oder

Grundriß zumindest mit einer Frei/Belegt- Beschilderung versehen sein. Im Umkleideraum geeignete Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Straßenkleidung vorsehen. Die eigentliche Dusche ist als Durchgangsdusche konzipiert. Die Dusche darf nicht zu umgehen sein, wenn man den Stall betreten will. Anstatt schwer zu reinigender Vorhänge empfehlen sich für beide Durchgänge Kunststoffschiebetüren. Zum Duschen Wasser mit Trinkwasserqualität einsetzen. Wasser in ausreichender Menge (10 Minuten Duschdauer pro Person) und Temperatur für mehrere Besucher zur Verfügung stellen. Flüssigseife und Haarshampoo in
Wandspendern in der Duschkabine anbieten. Auf der reinen Seite des Umkleideraums pro Person zwei Frotteehandtücher bereitlegen. Socken und Unterwäsche in verschiedenen Größen jeweils für Damen und Herren hygienisch zur Verfügung stellen. Sie können zum Beispiel als Set in einem durchsichtigen Plastikbeutel aufbewahrt werden.

Preiswert im Sonderangebot erworbene Garnituren sind dabei geeigneter als abgelegte eigene Wäschestücke. Außerdem sollte der Besucher Overalls mit funktionierenden Reißverschlüssen vorfinden. Einheitliche Overallfarben gestatten eine sichere Kontrolle, ob sich die Besucher/Mitarbeiter umgezogen haben. In Großbetrieben kann man unterschiedlich farbige Overalls für unterschiedliche Bereiche nutzen: zum Beispiel grün für Außenbereich, weiß für Reproduktionsbereich, Blau für das Flatdeck und rot für die Mast. Gleiches kann hier auch für Gummistiefel, Badelatschen, Kopfbedeckung und Wäsche gelten.

Praktischer Durchreicheschrank

Zum Haaretrocknen stellt der Betriebsleiter am besten Fön und Spiegel zur Verfügung. Vorhandene Kopfbedeckungen sollen die Haare bedecken und nicht nur als "flottes Käppi" das Haupt zieren.

Stellen Sie einen Wäschekorb oder eine Tonne bereit, in die die Besucher die gebrauchten Handtücher und nach dem Stallbesuch auch die getragene Stallkleidung einwerfen können. Geben Sie gebrauchte Kleidung nach jedem Benutzen in die Kochwäsche. Ein parallel zur Dusche, mit Türen auf beiden Seiten versehener Durchreicheschrank ermöglicht es, von der unreinen Seite den
Korb mit Schmutzwäsche zu entnehmen und frische Overalls und Wäsche einzulegen, die dann von der reinen Seite entnommen werden können.

An der Tür zum Stall sind Gummistiefel in verschiedenen Größen und ausreichender Zahl, am besten über Kopf hängend, plaziert. Sowohl Mitarbeiter, wie auch betriebsfremde Gäste wissen es zu schätzen, wenn der Boden mittels Fußbodenheizung in beiden Umkleideräumen erwärmt ist.

Das Ein- und Ausschleusen von Gegenständen (Untersuchungsmaterial, Medikamente, Proben usw.) sollte an der Dusche vorbei durch eine geeignete Durchreiche mit zwei Türen möglich sein. Ein Fenster ermöglicht die Kommunikation zwischen Stallpersonal und Außenstehenden. Eine Klingel oder Hupe, die in allen Betriebsbereichen gehört werden kann, verhindert, daß Personen den Hygienebereich betreten, nur um einen Mitarbeiter zu suchen. Ist im Betrieb ein schnurloses Telefon vorhanden, kann die Feststation an der Durchreiche stehen. Außenstehende Besucher drücken dann den "Intercom"-Knopf, um mit dem Stallpersonal Kontakt aufzunehmen. (mp)

Vorraum
Vorraum: Mit Eingangstür in den Umkleideraum zur Dusche, daneben ein Fenster in den Stall, darunter eine Durchreiche zum Ein- und Ausschleusen von Proben, Sperma etc.
Dusche
Dusche: Die Durchgangsdusche am besten mit Kunstoffschiebetüren ausstatten lassen (lassen sich besser reinigen). Flüssigseife und Shampoo in Wandspendern anbieten
Durchreicheschrank
Desinfektionsmatte
Eine Schaumstoffmatte mit Desinfektionsmittel am Eingang ist nützlich, sollte aber nicht die einzige Maßnahme sein.
aus dlz 3/99
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Durchreicheschrank: Von der unreinen Seite können Schmutz- und Frischwäsche ausgetauscht werden, ohne daß die Hygieneschleuse betreten werden muß. Wäschekörbe erleichtern die Arbeit.